Vogel des Monats August 2026: Schleiereule

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Schleiereule:

Die Bestandsentwicklung schätzten Schönbrodt & Spretke (1989) mit 20-50 BP gegenüber Gnielka (1984) mit damals noch 22-88 BP rückläufig ein. Viele der ehemals traditionellen Brutplätze wurden aufgegeben. Auch lange Kälte- bzw. Schneewinter mit geschlossener Schneedecke führten zu Bestandseinbrüchen, so z.B. im Winter 2011/2012, als fast die gesamte Schleiereulenpopulation im BG erlosch. Solche Verluste konnten in Jahren mit hohem Feldmausaufkommen durch mehrere Jahresbruten wieder ausgeglichen werden; z.B brüteten im östlichen Saalkreis 1998 – 14 BP, die 209 Jungeulen aufzogen, wovon bereits am 23.5.1998 die erste 6er-Brut ausflog. Im selben Gebiet wurden 2001 nur noch 7 BP und 54 Jungvögel ermittelt (G. Klammer, George & Wadewitz 1999, 2001).

Schleiereule (Tyto alba)

Die Schleiereule ist sehr auf Brutplatzangebote in bzw. an menschlichen Bauwerken angewiesen. Die nach 1990 einsetzende Sanierung zahlreicher Kirchen und weiterer Gebäude im ländlichen Siedlungsraum führte zu erheblichen Brutplatzverlusten. Mit der ab 1996 erfolgten Übertragung nicht mehr betriebsnotwendiger Trafostationen durch den regionalen Energieversorger an Gemeinden und Naturschutzverbände und deren Neuverwendung für naturschutzfachliche Belange, wurden neue Nistplatzangebote für die Schleiereule geschaffen (Tab. 59).

Zum Beispiel fanden im ehemaligen Trafoturm am Ortsrand von Mösthinsdorf seit dem Umbau im April 2003 19 Bruten statt, aus denen bis 2020 mind. 109 junge Schleiereulen ausflogen. Im außergewöhnlich erfolgreichen Brutjahr 2020 wurden sowohl im Trafoturm Mösthinsdorf als auch in Brachstedt-Hohen jeweils 13er-Bruten beringt; in Queis-Klepzig wurde am 25.8.2020 sogar eine 15er-Brut mit 3 pull. und 12 Eiern entdeckt (Klammer 2020).

Sichere Brutplätze bieten auch heute noch Kirchtürme, in denen Schleiereulen oft schon über sehr lange Zeiträume erfolgreich brüten, z. B. im Kirchturm in Gollma; bei seiner Sanierung Anfang der 1990er Jahre wurden aus der Kirchturmspitze 150 kg Gewölle geborgen. Aus Gewöllen einer Spätbrut im Trafoturm Schochwitz, Ortsteil Wils, ermittelte Jentzs ch (2004) 411 Nahrungstiere; bei dieser Kontrolle flogen erst am 19.11.2001 – 2 flügge Jungeulen aus. Ein seltener Felsbrutplatz wurde 2008 im Kalksteinbruch in Köllme bemerkt, mind. 4 juv. flogen aus (G. Klammer, OVH-Archiv).

G. Klammer