Vogel des Monats Juni 2026: Tafelente
2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).
Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.
Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.
Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Tafelente:
Die von Spretke (in Gnielka 1984) getroffenen Angaben und Aussagen zum Vorkommen der Art im BG trafen nur noch eingeschränkt zu. Bezüglich des Zuggeschehens kam es zu einer massiven Zunahme von rastenden Tafelenten bis Mitte der 1990er Jahre (Abb. 66). Dann reduzierte sich das Auftreten wieder und zwischen 1999 und 2003 waren nur geringe Rastbestände anzutreffen. In den letzten 15 Jahren war die Art ein regelmäßiger Durchzügler und Wintergast. Abb. 67 verdeutlicht für die vergangenen 12 Jahre das monatliche Zuggeschehen anhand der WVZ. Ab Oktober war deutlicher Zuzug zu verzeichnen, der seinen Höhepunkt Mitte Dezember erreichte.
Im Januar überwinterten zahlreiche Tafelenten und ab Februar machte sich, im Vergleich zum Herbstzug, ein deutlich schwächerer Frühjahrszug bemerkbar, der Ende März/Anfang April abgeschlossen war. Je nach Witterung und Hochwasserereignissen kam es im Winterhalbjahr zu großen Ansammlungen (Tab. 15). Das Geschlechterverhältnis war oft 2:1 zugunsten der M. verschoben. Am 4.1.1996 beobachtete R. Höhne einen Tafel-/Reiherenten- Hybrid auf der Saale bei Halle (George & Wadewitz 1997).

Der Brutbestand im BG lag in den 1970er Jahren bei 5-20 BP (Spretke in Gnielka 1984) und erhöhte sich bis Mitte der 1980er Jahre auf 15-25 BP (Schönbrodt & Spretke 1989). Als bevorzugtes Bruthabitat nutzten Tafelenten kleine Teiche mit ausgeprägter Verlandungszone wie den Großen Mühlteich im Dieskauer Park (Gnielka & Zaumseil 1997), die Mötzlicher Teiche (Gnielka 1989a), den Teich bei Gröbers (Gnielka 1989a), die Teiche bei Zwintschöna und Beidersee, sowie die Teiche und Feuchtflächen bei Döllnitz, Osendorf und bei Planena. Tischler (2017) beschreibt ausführlich den Niedergang des Brutbestandes im Dieskauer Park von 1986 bis 2015; dort brütete die Art im Jahr 2000 noch mit 12 BP (George et al. 2006). Für den Rückgang wurden als Hauptursachen Habitatverschlechterung, Nahrungsmangel und zunehmende Prädation durch Raubsäuger benannt.
Ein ähnliches Bild lieferten langjährige Untersuchungen in den Feuchtgebieten bei Döllnitz/Osendorf (Tischler 2018, 2019a). Das traf sicher auch für die anderen Teichgebiete der halleschen Umgebung zu, wodurch die Tafelente hier nur noch ganz sporadisch brütete. Die nächsten sicheren Brutnachweise stammten vom 14.7.2015 aus dem Beiderseeer Teichgebiet, eine Familie mit 4 großen juv. (R. Höhne, ornitho.de), vom 2.-27.7.2017 – 1W. mit 3 pull. auf den Teichen bei Planena und vom 9.-25.7.2018 – 1W. mit 2 pull. ebenda (P. Tischler, ornitho.de). Bei der Inventarisierung der halleschen Schutzgebiete im Zeitraum 2015-2017 wurden jeweils 2-4 Revierpaare für die Mötzlicher Teiche und für das FND Kleiner Angersdorfer Teich angegeben (Knapp et al. 2020). Regelmäßige Beobachtungen zur Brutzeit im Mai-Juli liegen aus mehreren Jahren vor und lassen auf Brutversuche, z.B. 14.6.2015 – 3 Salzamäander Langenbogen (R. Wendt, ornitho.de) oder auf Übersommerer, z.B. 6.6.2018 – 12 Kiesgrube Plötz schließen (K. Hallmann, ornitho.de). T.Spretke
