Vogel des Monats Mai 2026: Rohrweihe
2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).
Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.
Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.
Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Rohrweihe:
Tauchnitz (in Gnielka 1984) gibt für den Anfang der 1980er Jahre den Brutbestand des Stadtkreises mit 3-6 BP und des Saalkreises mit 30-45 BP an. Brutplatzkartierungen ab 1980-1983 (Tauchnitz 1984) ergaben insgesamt 37 Brutstandorte im BG mit zum Teil mehreren BP, was zur Abschätzung auf 30- 50 BP führte. Die kurz darauf während der Feinrasterkartierung von 1983-1986 ermittelte Bestandsangabe von 60-90 BP für das gesamte BG ist wohl als obere Grenze des durchschnittlichen Brutbestandes zu werten (Schönbrodt & Spretke 1989).
Nach Koch & Rohn (1989) brütete sie in Halle-Neustadt in den 1980er Jahren sporadisch an den Angersdorfer Teichen und ausnahmsweise 1974 am Ellernteich. 1999 wurden sogar 2 BP in Halle- Neustadt festgestellt (B. Rohn, Mammen & Stubbe 2000). Im ABSP nennen Gnielka & Stenzel (1998) für Mitte der 1990er Jahre einen Bestand von 8-15 BP für den gesamten Stadtkreis Halle. Dieser Wert liegt in der Größenordnung der in den Schutzgebieten der Stadt im Zeitraum 2010-2018 erfassten 8-14 RP (Knapp et al. 2020). Demnach stagnierte dieser zunächst positive Bestandstrend. Unter Berücksichtigung der jährlichen Bestandsschwankungen und der nicht gleichzeitigen Besetzung aller Brutreviere muss für die letzten zwei Jahrzehnte sogar ein Bestandsrückgang im Stadtkreis angenommen werden. Wie in Halle wurde ein Bestandsanstieg bis zur Mitte der 1990er Jahre auch im Saalkreis festgestellt. Wurde im Jahr 1984 ein Saalkreisbestand von 31 sicheren BP ermittelt (OVH-Archiv; Gnielka 1989b), waren es 1990 bis 1992 jeweils 37 Bruten und 19a94 sogar 46 Bruten (OVH-Archiv). Für Teilbereiche liegen lange Zeitreihen mit jährlichen Angaben von Greifvogel-Monitoringflächen und aus Planbeobachtungsgebieten vor.

Folgende Beispiele für starke Bestandsschwankungen seien hier aus diesen Erfassungen aufgeführt. Auf der 123 km² großen Monitoringfläche ‚Saalkreis Ost‘ stieg der Bestand von 9 BP und 2 RP im Jahr 1997 auf 23 BP und 2 RP 1998 (G. Klammer, Mammen & Stubbe 1998, 1999). Auf einer 15 km² großen Monitoringfläche in der Saale-Elster-Aue wurden 1991 noch 3 BP, 1992 dann 9 BP festgestellt (Tauchnitz in Gedeon & Stubbe 1992b, 1993). Im Dieskauer Parka einschließlich des nahegelegenen Reidesumpfes verringerte sich der dort festgestellte Höchstbestand von 4 BP im Jahr 1989 auf 1 BP im Folgejahr (P. Tischler, OVH-Archiv). Die Rohrweihe fehlte in diesem Gebiet zeitweilig am Anfang der 1980er Jahre (Schönbrodt & Spretke 1989) und dann nochmals in vier Jahren ab 2006-2013 als Brutvogel (Tischler 2017). Nicht alljährlich brütete die Art am Schachtteich in Döllnitz, jedoch 2001 und 2005 mit 2 BP (Tischler 2018). Nach dem Bestandshoch in den 1990er Jahren wurde auch an anderen Gewässern im SK eine rückläufige Entwicklung festgestellt, z. B. in einem ca. 90 ha großen Teilbereich der Elsteraue: 1989-1998 – 4-8 BP, 1999-2008 – 2-6 BP und 2009-2018 – 0-2 BP (Tischler 2019a). Während 1994 am großen Salzamäander bei Langenbogen noch 3-4 BP siedelten (W. Wischhof, OVH-Archiv), waren es dort 2007 nur noch 2 BP (Lehmann et al. 2009). Während Rey (1871) lediglich Einzelvorkommen kannte, also keine Häufungen an bestimmten Brutplätzen, wurden seit 1980 zeitweise mehr als 2 BP an folgenden Standorten festgestellt: Salzatal bei Langenbogen, Fuhneaue bei Plötz, Kiesgruben bei Plötz, Schilf an der Laweke bei Wils, Saale-Aue bei Zaschwitz, Beiderseer Teichgebiet, Franzigmark, Salzamäander bei Langenbogen und Salzatal bis Köllme, Schilfsenken bei Teutschenthal, Schilfgebiet bei Döllnitz, Dieskauer Park, Grube Lochau, Teiche bei Gröbers und Schilfsenken bei Queis sowie nördlich von Landsberg (Gnielka 1982b; Tauchnitz 1984; G. Klammer, Spretke 1987; Schönbrodt & Spretke 1989; Ebel & Schönbrodt 1991a; P. Tischler, RANA 2011; Stadt und Land Planungsgesellschaft 2016; Tischler 2017, 2019a; OVH-Archiv).
Aus den gemeldeten Erstbeobachtungen der Jahre (OVH-Archiv; ornitho.de; George & Wadewitz 2002) wurden aus 5-Jahreszeiträumen folgende Medianwerte ermittelt: 1990- 1994 – 28.3.; 1995-1999 – 22.3.; 2000-2004 – 25.3.; 2011-2015 – 19.3.; 2016-2020 – 17.3. (eine Meldelücke früher Nachweise besteht für die Jahre 2005-2010). Früheste Notiz: 2.3.1996 – 1W. bei Salzmünde (G. Tuttas, OVH-Archiv), späteste Jahres-Erstbeobachtungen: 2.4.2002 – 2 bei Teutschenthal (L. Müller, ornitho.de) und 2.4.2003 – 1M. bei Sennewitz (J. Schmiedel, OVH-Archiv). Flugbalz wurde vom 30.3.-2.6. und ausnahmsweise noch einmal am 9.7. (n = 35) bemerkt, Horstbau wurde vom 20.4.-15.6. (n = 11), Futterübergabe an Weibchen im Flug am 25.6. und 2.7. (n = 2) und an flügge Jungvögel vom 5.7.-13.8. (n = 5) beobachtet (Daten aus OVHArchiv und ornitho.de, Zeitraum 1984-2019).
Der früheste Legebeginn im Zeitraum 1983- 2019 wurde am 16./17.4.1998 festgestellt (G. Klammer, George & Wadewitz 1999), Gelege wurden ansonsten vom 27.4. (1985, W.-D. Hoebel, OVH-Archiv) bis zum 9.7. (2012, W.-D. Hoebel, OVH-Archiv) gemeldet. Nichtflügge juv. wurden vom 26.5. (1987, J. Strauß, OVH-Archiv) bis spätestens am 10.8. (2011, W.-D. Hoebel, OVH-Archiv) auf ihren Horsten registriert. Die Verteilung der September- und Oktoberdaten (n= 72 Ind., 1987-2019; OVH-Archiv, ornitho.de) auf die einzelnen Monatsdekaden verdeutlichen den unauffälligen Wegzug ohne Kulmination: September 31/16/11, Oktober 9/4/1; Letztbeobachtung: 24.10.2017 – 1 dj. über dem Osendorfer Damm nach SW (R. Höhne, ornitho.de). Beobachtungen aus den Monaten November bis Februar liegen nach 1971 nicht mehr vor (Tauchnitz in Gnielka 1984). Horstfunde in landwirtschaftlichen Kulturen wurden für das BG ausschließlich im Zeitraum 1983 bis 1998 dokumentiert, meist in Wintergersteschlägen, zwei in gesätem Wiesenrispengras, zwei auf Ackerbrachen und je eine in Winterweizen und Hafer (Schönbrodt & Spretke 1989; George & Wadewitz 1999; OVH-Archiv). R. Gnielka entdeckte 1986 eine Brut auf einem flachen Horst zwischen Disteln in einer Weidensenke bei Landsberg (OVH-Archiv). W.-D. Hoebel fand 1987 eine Brut auf einer Weide in 3 m Höhe am Weiher Zaschwitz, 1989 auf einem Weidenast 1,5 m über der Saale gegenüber Döblitz sowie 2011 eine späte Brut auf einem Flachhorst im Gras im Beiderseer Teichgebiet (OVH-Archiv). Durch Beringung gelangen bemerkenswerte Wiederfunde von im BG beringten Rohrweihen aus Frankreich und Tschechien (Missbach 1969), aus Nordrhein-Westfalen (Schildmacher & Pörner 1967), Ungarn (Pörner 1982) sowie aus Mitteldeutschland (Weissgerber & Gehlhaar 1997, Klammer 2000).
