Vogel des Monats Juli 2026: Nilgans

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Nilgans:

Die Nilgans findet bei Gnielka (1984) und bei Schönbrodt & Spretke (1989) noch keine Erwähnung. Vom 5.-19.4.1983 gelang die erste Beobachtung einer Nilgans bei Landsberg durch G. Klammer (OVH Archiv). Die Art führte Gnielka (1989b) noch als Gefangenschaftsflüchtling. Zwischen 1984 und 1991 wurden nur sieben Meldungen einzelner Ind. bekannt. Der erste Brutnachweis für Sachsen- Anhalt erfolgte im BG in der Saale-Elster- Aue bei Halle-Planena, dort führte ein Paar am 22.6.1990 einen Jungvogel (H. Tauchnitz, Gnielka & Zaumseil 1997; Dornbusch 2012). In der Folge ging die weitere Brutansiedlung nur langsam voran. Am 2.5.1994 – 2 ad. u. 1 juv. auf einer Hochwasserfläche zwischen Saale und Lunzbergen nördlich Halle, der zweite Brutbeleg (J. Strauß, OVH Archiv). Erst am 6.4.2002 folgte die nächste Beobachtung eines Paares in der Saale-Elster-Aue. In den Jahren bis 2013 gab es dann an verschiedenen Orten einzelne Nilgänse und auch Paare. Dann wurde sukzessive jedes zur Brut geeignete Gewässer von mindestens einem Paar besetzt. Brütende oder jungeführende Paare wurden auf Gewässern nahe Halle- Planena (2013 bis 2020), Lochau (2014), Halle-Trotha (2014), Kanena (2014), Zwintschöna (2014, 2016), Langenbogen (2014, 2020) beobachtet.

Nilgans mit Jungen Foto: Wolfram Riech

2016 erfolgte auch die erste Brut am Schachtteich Döllnitz, von den sechs Jungvögeln wurden nur zwei flugfähig (Tischler 2018). Weitere Bruten wurden von Dieskau (2017, 2019, 2020), Plötz (2018), Halle-Kröllwitz (2018, 2019) und Angersdorf (2019) gemeldet (ornitho.de). Im Teichgebiet der Saale-Elster-Aue südlich von Halle sind seit 2013 ganzjährig ein bis drei Paare anwesend. Ihr Bruterfolg ist gering, sie hatten nur am 22.9.2013 – 5 und am 22.6.2020 – 3 juv. (H. Tauchnitz, OVH Archiv). Der geringe Bruterfolg wurde vermutlich durch Prädation (Waschbär und Mink) beeinflusst.

Eine jahreszeitlich frühe Brutbeobachtung gelang E. Fuchs, der schon am 7.4.2020 ein Paar mit 10 Gösseln am Kanal nahe Halle-Neustadt sah (pers. Mitt.). Auch mehrere Baumbruten wurden bekannt: Am 15.6.2013 – 1 W. auf 6 Eiern (der Horst, 12 m hoch, war am 5.5.2013 noch vom Schwarzmilan besetzt!) auf Pappel zwischen Schrenz und Kütten sowie am 19.5.2013 – brütend in ehemaligem Mäusebussardhorst nahe Löbejün- Gottgau (G. Krause, R. Schönbrodt, pers. Mitt.); am 22.4.2015 – 1 W. auf 8 Eiern in einem für Baumfalken auf einer Pappel im Vorwinter angebrachten Nistkorb in 15m Höhe bei Reideburg-Sagisdorf (H. Benning, R. Schönbrodt, ornitho.de); Mai 2015 sowie am 6.5.2016 brütend in ehemaligem Mäusebussardhorst im Park Krosigk (G. Krause, pers. Mitt.); am 20.4. und auch noch am 11.5. 2017 – 1 BP im Dieskauer Park in einem ehemaligen Kolkrabennest (P. Tischler, ornitho. de); am 12.5.2018 – brütend in ehemaligem Rotmilanhorst am Schiedsberg bei Löbejün (G. Krause, pers. Mitt.); am 15.5.2020 – 1W. brütet in Krähennest in 5m Höhe auf Pflaumenbaum in Ziegenhaltung am südlichen Ortsausgang Döblitz sowie am 12.4.2020 – brütend in ehemaligem Rotmilanhorst auf Erle in 13m Höhe am Ortsrand Mösthinsdorf (R. Schönbrodt, pers. Mitt.). Ab dem Winter 2012 hielten sich auch kleine Trupps an offenen Gewässern auf, z. B. bei Mücheln am 2.2.2012 – 17 (W.-D. Hoebel). Die bisher zahlenmäßig größte Ansammlung wurde im Kabelsketal bei Gröbers am 24.1.2020 mit 84 Ind. gemeldet (P. Tischler, ornitho.de).

H. Tauchnitz