Vogel des Monats März: Blaukehlchen
2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).
Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.
Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.
Auszug aus der Kommentierten Artenliste zum Blaukehlchen:
Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Blaukehlchen selten als Brutvogel in der halleschen Umgebung festgestellt. Baldamus (1870) zählt es kommentarlos zu den in Halle und Umgebung brütenden Zugvögeln. Rey (1871) sah „die auffallend gezeichneten Jungen hier nicht selten“ und erhielt zwei Gelege aus hiesiger Gegend, ohne jedoch selbst ein Gelege gefunden zu haben. Er schlussfolgerte daraus das gelegentliche Brüten, stufte aber dennoch später die Art für die nächste Umgebung von Halle lediglich als regelmäßigen Durchzügler, nicht jedoch als Brutvogel ein (Rey 1874). E. Ziemer gelang am 8.5.1882 ein Nestfund an der Saale bei Röpzig, wo er bereits am 28.4. des Jahres einen Altvogel beobachtete (ABVD 1885). W. Schlüter jun. teilte Taschenberg (1893b) einen eigenen Nestfund mit. Im Jahr 1885 oder 1886 beobachtete F. Lindner ein Junge fütterndes Paar auf einer kleinen Saaleinsel an der Eislebener Chaussee, heute im Stadtgebiet von Halle (Taschenberg 1893b). Aufgrund eines mit „1885 und 1886“ offensichtlich fehlerhaften Drucks in Taschenberg (1909) wurde diese Notiz nachfolgend mehrmals fälschlicherweise für beide Jahre als Brutnachweis gewertet, so bei Stenzel (1993), Schulze (2005a) und Todte (2010a). Für den folgenden Zeitraum von mehr als 100 Jahren liegen keine weiteren Brutnachweise für die hallesche Umgebung vor. Erst im Juli 1992 gelangen Beobachtungen futtertragender und fütternder Altvögel auf dem Pfingstanger (Stenzel 1993). Aufgrund dessen bezifferten Gnielka & Stenzel (1998) den Brutbestand für die Stadt Halle mit 0-1 BP.

Auch die Kartierung des Südteils Sachsen- Anhalts wies für die Jahre 1990-1995 außer diesem noch keinen weiteren Brutplatz im BG aus (Stenzel in Gnielka & Zaumseil 1997). Ab 1998 kam es fast alljährlich zu Nachweisen außerhalb der Zugzeiten, ab zweiter Mai- bis zweiter Julihälfte, sowie in bestimmten Gebieten zu mitunter mehrjährig erfolgten Revierbesetzungen bei zunächst allmählicher, später stärkerer Bestandszunahme: 1998, 1999, 2003 – je 1 Rev., 2004 – 3, 2005, 2006 – je 1, 2007 – 3, 2008 – mind. 3, 2009 – 5 Rev. (George & 234 Apus 27 (2022), Sonderheft Wadewitz 1999, 2000; George et al. 2004; Schulze 2005a; Fischer & Dornbusch 2005a, 2006, 2008, 2010; ornitho.de). Dass es sich dabei um unvollständige Erfassungen handelte, veranschaulicht das Ergebnis einer landesweiten Brutbestandserfassung im Jahr 2010, bei der insgesamt 33 Rev. für das BG gemeldet wurden (Fischer & Dornbusch 2011, RANA 2011, Schulze 2011a). Nachfolgend wurden gemeldet: 2011 – kein Rev., 2012 – 7-8, 2013 – 4, 2014 – 9, 2015 – 10-11, 2016 – 6-7, 2017 – mind. 9-10, 2018 – 5-7, 2019 – mind. 6 und 2020 – ca. 6 Rev. (Fischer & Dornbusch 2012, 2014a,b, 2015a, 2019, 2020; OVH-Archiv; ornitho. de). Aufgrund der Vielzahl erfolgt hier keine Auflistung der bisher bekanntgewordenen Brutplätze. Der aktuelle Landschaftsrahmenplan der Stadt Halle (RANA 2013) weist die Saale-Elster-Aue, die Mötzlicher Teiche und die Bergbaufolgelandschaft am Osendorfer See als bedeutende Lebensräume und Brutgebiete des Blaukehlchens aus. Während Buschendorf & Klotz (1995) für sämtliche untersuchte Schutzgebiete der Stadt Halle lediglich das damalige Vorkommen auf dem Pfingstanger aufführen, gaben Knapp et al. (2020) für den Zeitraum 2010-2018 bereits für fünf Schutzgebiete Reviervorkommen an, von denen das NSG Brandberge mit 2-4 RP als bedeutendstes heraustrat. Blaukehlchen traten im BG regelmäßig in stets geringer Zahl als Durchzügler auf. Der Frühjahrszug erstreckte sich von Anfang April bis Mitte Mai. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Ankunft in den hiesigen Brutgebieten. Als früheste Erstbeobachtungen ab 1980 wurden gemeldet: 1.4.1983 – 1M. Saaleaue Zaschwitz (W.-D. Hoebel, OVH-Archiv; Gnielka 1989a), 29.3.2006 – 1 Rabeninsel (T. Stenzel, ornitho. de), 26.3.2013 – 1 Welle Langenbogen (T. Stenzel, ornitho.de), 27.3.2018 – 1 Angersdorf (H. Tauchnitz, ornitho.de), 1.4.2019 – 1 Saale- Elster-Aue (P. Tischler, ornitho.de). Der unauffälligere Wegzug setzte Anfang August ein und endete im September. Verstärkter Herbstzug wurde im Jahr 1997 registriert – 6 Daten mit je 1-3 Ind. (George & Wadewitz 1998). Späteste Nachweise: 28.9.1984 – 1sM. Teich bei Gröbers (W. Ufer, OVH-Archiv; Gnielka 1989b), 9.10.1987 – 1M. gefangen und beringt, Teich bei Gröbers (W. Ufer, OVH-Archiv), 27.9.1996 – 1M.,1W. am Salzaried Langenbogen (T. Stenzel, OVH-Archiv). Die heimischen Brutvögel gehörten der Unterart „Weißsterniges Blaukehlchen“ L. s. cyanecula an, fast ausnahmslos sind auch die im BG auftretenden Durchzügler dieser Unterart zuzuordnen. In Ausnahmefällen konnten auf dem Frühjahrszug rastende Männchen der Unterart „Rotsterniges Blaukehlchen“ L. s. svecica beobachtet werden, zuletzt am 15.5.1984 – 1 bei Halle- Mötzlich (Schönbrodt & Schönbrodt 1985) sowie am 9.5.1993 – 1 bei Gröbers (J. Strauß, OVH-Archiv).
L. Kratzsch
