Vogel des Monats Dezember 2025: Saatkrähe
2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).
Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.
Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Saatkrähe:
Mit max. 536 BP im Jahr 1985 befand sich auf der Flussinsel Saalwerder bei Wettin eine Brutkolonie von überregionaler Bedeutung (Schwarze & Zuppke 1985; Spretke 1986; Wischhof 1988; Schönbrodt & Spretke 1989). Dieser Koloniestandort ist seit mindestens 1855 bekannt (Gnielka 1983). Um 1990 begann der Niedergang der Kolonie (Schwarze 1995a; Dornbusch 1995, 2002; George & Wadewitz 1999; OVH-Archiv). Die schrittweise Auflösung der großen Kolonie ging einher mit einer Tendenz zur Bildung bzw. Stärkung kleinerer Kolonien von ca. 5 bis 150 BP im weiteren Umfeld (Tab. 69). Auch diese kleineren Kolonien im BG sind mittlerweile erloschen (Fischer & Dornbusch 2004-2012, 2014a, 2014b, 2015a, 2019, 2020). Dieses Phänomen stimmte mit der eher steigenden Tendenz des Landesbestandes (Fischer & Dornbusch 2020) nicht überein. Derzeit sind keine Brutplätze im BG bekannt. Jedoch können kleinere Ansiedlungen in abgelegenen Dörfern ohne flächendeckende Untersuchungen auch zeitweilig unentdeckt bleiben (Schwarze in Gnielka & Zaumseil 1997).
Die Saatkrähe ist seit Jahrzehnten ein häufiger Wintergast, der in großen Schwärmen gemeinsam mit Dohlen aus dem Osten zufliegt. Seit Jahrzehnten ist die Rabeninsel in Halle als ein zentraler Schlafplatz für die Vögel der Umgebung bekannt, die am späten Nachmittag zwischenzeitlich Sammelplätze aufsuchen, zu denen auch Lehmanns Felsen und die Ziegelwiese gehören. An den Erkenntnissen von Siefke (1987) über Zug und Überwinterung von Saatkrähen dürfte sich auch im BG nichts geändert haben. Etwa die Hälfte der einheimischen Saatkrähen überwintern in Nordfrankreich, die übrigen verbleiben in der Umgebung und die Wintergäste stammen aus Polen, den baltischen Staaten, Weißrussland und dem westlichen Russland bis zum Ural. Dazu führt Siefke (1987) drei Wiederfunde von in Halle nachgewiesenen Saatkrähen auf: Eine im Januar bei Halle beringte Krähe wurde bereits am 30.3. desselben Jahres bei Tula (Russland) rückgemeldet; ein bei Braunschweig beringter Vogel wurde am 26.1. bei Halle wiedergefangen; ein in Görlitz am 15.11.1981 gefangener Vogel wurde am 3.1.1982 in Halle erlegt.
Ansammlungen in fünfstelliger Höhe, wie am 14.2.1999 – 36.000 Ind. an der Deponie Lochau (R. Höhne, George & Wadewitz 2000), gehören offenkundig der Vergangenheit an (Tab. 70). Bemerkenswert an der Beobachtung am 24.1.2005 von L. Kratzsch ist der Nachweis, dass die Vögel nicht, wie allgemein früher üblich, zum Schlafplatz auf der Rabeninsel wechselten, sondern direkt am Ort übernachteten. Die Peißnitz- Nordspitze wurde erstmals im Herbst 1997 als Schlafplatz für Saatkrähen nachgewiesen (L. Kratzsch, pers. Mitt.). In den Folgejahren nahm dessen Bedeutung zu, während auf der Rabeninsel immer weniger Überwinterer nächtigten.
S. Gerulat, L. Kratzsch

