Vogel des Monats April 2026: Rauchschwalbe

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Rauchschwalbe:

Spätestens seit den 1980er Jahren setzte im BG eine stetige Abnahme des Brutbestandes ein. Spretke (in Gnielka 1983) nannte zwar noch 3.600-12.000 BP, verwies aber auf den Verlust zahlreicher Brutplätze in Halle sowie in Dörfern des ehemaligen Saalkreises. Auch Schönbrodt & Spretke (1989) nannten einen deutlich rückläufigen Brutbestand, mit 5.900-6.500 BP gingen sie bereits von einer Halbierung des einstigen Bestandes aus. Die negative Entwicklung zeigte sich besonders deutlich am Beispiel der Stadt Halle: Wurden zu Beginn der 1980er Jahre noch 600-2.000 BP mitgeteilt (Spretke in Gnielka 1983), so schätzte man nach der Kartierung 1983-1986 für das Stadtgebiet nur noch 800- 1.400 BP (Schönbrodt & Spretke 1989). Später gaben mit 500-1.500 BP Gnielka & Stenzel (1998) einen ähnlichen Bestand an. Eineinhalb Jahrzehnte später wurden im Ergebnis der Rasterkartierung 2009-2012 in Halle nur noch 800-1.000 BP angegeben und damit ein erneuter Tiefststand markiert (Tischler & Stenzel 2016). Die Vorkommen der Rauchschwalbe konzentrierten sich vor allem auf die Randbereiche der Stadt, die zum damaligen Zeitpunkt teilweise noch dörfliche Strukturen aufwiesen. Zu den wenigen verbliebenen Brutstandorten im Stadtgebiet gehörten die seit Jahrzehnten beständig besetzten Brutplätze im Zoo. In den Jahren 1997-2016 registrierte T. Spretke den dortigen Bestand und beringte die Nestlinge (pers. Mitt.). Insgesamt wurden im vorgenannten Zeitraum 772 Bruten erfasst und 2.353 Nestlinge beringt.

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Bild: Wolfram Riech

Die Bestandsentwicklung war teilweise von erheblichen jährlichen Schwankungen gekennzeichnet. So wurde 2003 mit 7 BP der niedrigste und 2008 mit 38 BP der höchste Bestand im Zoo ermittelt. Im Jahr 2016, dem letzten Jahr der Kontrolle, wurden 25 BP mit 47 Bruten gezählt. Vor allem wegen der dauerhaft günstigen Nahrungsbedingungen war der Brutplatz auch am Ende des Berichtszeitraumes besetzt. In den Jahren 2013/2014 ermittelte W.-D. Hoebel (OVH-Archiv, pers. Mitt.) folgende Bestände im nordwestlichen Bereich des ehemaligen Saalkreises: Wettin (35 BP), Beidersee (15), Brachwitz (34), Dößel (28), Neutz (24), Döblitz (20), Salzmünde (18) sowie Pfützthal und Dobis (jeweils 16). In weiteren 17 kontrollierten Gemeinden waren die Bestandszahlen <15 BP. Vergleiche zu früheren Bestandserhebungen bestätigten einen Rückgang. Durch den Neubau von Stallanlagen und den damit verbundenen Nistmöglichkeiten, insbesondere in neu errichteten Reiterhöfen, boten sich jedoch auch zusätzliche Brutplätze. So führten Pferdehaltungen in Seeben zu einem jährlichen Bestand von etwa 100 BP (T. Spretke, pers. Mitt.). Allein in vier kontrollierten Stallanlagen konnten 2018 – 65-70 BP und 2019/2020 – je 55-60 BP ermittelt werden. In einer neugebauten offenen Reithalle in Krosigk schätzte G. Klammer (pers. Mitt.) im Jahr 2018 einen Brutbestand von mind. 180 BP. Die positiven Entwicklungen an wenigen Standorten konnten jedoch nicht ansatzweise einen Ausgleich für die insgesamt beträchtlichen Nistplatzverluste schaffen. Maßgebliche Ursachen für den Negativtrend im gesamten BG waren zunehmend fehlende Nistmöglichkeiten und die Verringerung des Nahrungsangebotes. Insbesondere die Auswirkungen des Strukturwandels in der Landwirtschaft führten zu bedeutenden Brutplatzverlusten.

Die an ornitho.de gemeldeten Beobachtungen enthalten nur ausnahmsweise Bemerkungen zu Brutfeststellungen und waren deshalb für eine Ableitung von belastbaren Bestandsangaben und Bestandstrends ungeeignet. Dagegen widerspiegeln Beobachtungdaten zu nennenswerten Schlafplatz-Ansammlungen eindrucksvoll den überregionalen Rückgang der Art (Tab. 75). Als früheste Erstbeobachtung nennt Spretke (in Gnielka 1983) den 26. März. Die im Berichtszeitraum an ornitho.de übermittelten Beobachtungen geben zehn zeitigere Daten an, davon allein fünf im Jahr 2019. Als zeitigster Termin wurde der 9.3.2015 gemeldet (R. Wendt).

P. Tischler