Vogel des Monats Januar 2026: Saatkrähe

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Auf der Website des OVH wird monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorgestellt. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Saatkrähe:

Mit max. 536 BP im Jahr 1985 befand sich auf der Flussinsel Saalwerder bei Wettin eine Brutkolonie von überregionaler Bedeutung (Schwarze & Zuppke 1985; Spretke 1986; Wischhof 1988; Schönbrodt & Spretke 1989). Dieser Koloniestandort ist seit mindestens 1855 bekannt (Gnielka 1983). Um 1990 begann der Niedergang der Kolonie (Schwarze 1995a; Dornbusch 1995, 2002; George & Wadewitz 1999; OVH-Archiv). Die schrittweise Auflösung der großen Kolonie ging einher mit einer Tendenz zur Bildung bzw. Stärkung kleinerer Kolonien von ca. 5 bis 150 BP im weiteren Umfeld (Tab. 69). Auch diese kleineren Kolonien im BG sind mittlerweile erloschen (Fischer & Dornbusch 2004-2012, 2014a, 2014b, 2015a, 2019, 2020). Dieses Phänomen stimmte mit der eher steigenden Tendenz des Landesbestandes (Fischer & Dornbusch 2020) nicht überein. Derzeit sind keine Brutplätze im BG bekannt. Jedoch können kleinere Ansiedlungen in abgelegenen Dörfern ohne flächendeckende Untersuchungen auch zeitweilig unentdeckt bleiben (Schwarze in Gnielka & Zaumseil 1997).

Die Saatkrähe ist seit Jahrzehnten ein häufiger Wintergast, der in großen Schwärmen gemeinsam mit Dohlen aus dem Osten zufliegt. Seit Jahrzehnten ist die Rabeninsel in Halle als ein zentraler Schlafplatz für die Vögel der Umgebung bekannt, die am späten Nachmittag zwischenzeitlich Sammelplätze aufsuchen, zu denen auch Lehmanns Felsen und die Ziegelwiese gehören. An den Erkenntnissen von Siefke (1987) über Zug und Überwinterung von Saatkrähen dürfte sich auch im BG nichts geändert haben. Etwa die Hälfte der einheimischen Saatkrähen überwintern in Nordfrankreich, die übrigen verbleiben in der Umgebung und die Wintergäste stammen aus Polen, den baltischen Staaten, Weißrussland und dem westlichen Russland bis zum Ural. Dazu führt Siefke (1987) drei Wiederfunde von in Halle nachgewiesenen Saatkrähen auf: Eine im Januar bei Halle beringte Krähe wurde bereits am 30.3. desselben Jahres bei Tula (Russland) rückgemeldet; ein bei Braunschweig beringter Vogel wurde am 26.1. bei Halle wiedergefangen; ein in Görlitz am 15.11.1981 gefangener Vogel wurde am 3.1.1982 in Halle erlegt.

Ansammlungen in fünfstelliger Höhe, wie am 14.2.1999 – 36.000 Ind. an der Deponie Lochau (R. Höhne, George & Wadewitz 2000), gehören offenkundig der Vergangenheit an (Tab. 70). Bemerkenswert an der Beobachtung am 24.1.2005 von L. Kratzsch ist der Nachweis, dass die Vögel nicht, wie allgemein früher üblich, zum Schlafplatz auf der Rabeninsel wechselten, sondern direkt am Ort übernachteten. Die Peißnitz- Nordspitze wurde erstmals im Herbst 1997 als Schlafplatz für Saatkrähen nachgewiesen (L. Kratzsch, pers. Mitt.). In den Folgejahren nahm dessen Bedeutung zu, während auf der Rabeninsel immer weniger Überwinterer nächtigten.

S. Gerulat, L. Kratzsch

Erste Ergebnisse des Greifvogelmonitorings in Sachsen-Anhalt

Erst seit diesem Jahr startete das Greifvogelmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB) in Sachsen-Anhalt. Das Rotmilanzentrum am Heineanum in Halberstadt wurde von der Vogelschutzwarte des Landes Sachsen-Anhalt beauftragt die Koordination dieses Moduls zu übernehmen.

Jetzt liegen erste Ergebnisse vor: Es wurden 372 Brutnachweise von 12 Zielarten erbracht, zusammengefasst sind die Ergebnnisse in dieser Tabelle:

Der komplette Bericht kann hier von der Website des Rortmilanzentrums heruntergeladen werden.

Vogel des Monats Dezember 2025: Reiherente

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Wir möchten zukünftig monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorstellen. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Reiherentenpaar (Foto: W.Riech)

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zur Reiherente Aythya fuligula:

Noch bis gegen Ende der 1980er Jahre wird das von Spretke (in Gnielka 1984) genannte Durchzugsgeschehen zutreffend gewesen sein. Abb. 69 zeigt, dass die durchziehendenund überwinternden Reiherenten ab 1989/90 deutlich zunahmen und zu Beginn der 1990er Jahre ein Maximum erreichten. Das Auftreten im BG verringerte sich dann wieder bis Anfang der 2000er Jahre, um dann erneut anzusteigen. In den vergangenen fünf Jahren wurde wieder eine leichte Abnahme bemerkt. Nach den Daten der WVZ aus den vergangenen 37 Jahren ist ein nahezu gleichbleibender Trend erkennbar.

Der Herbstzug begann ausnahmsweise schon im August, so am 4.8.2018 – 21 Kiesgrube Plötz (K. Hallmann, ornitho.de), meist aber erst im September. Bevorzugt wurden die tiefen Kiesgrubengewässer in Rattmannsdorf, Hohenweiden, Plötz und der Hufeisensee (Tab. 17). Abb. 70 zeigt, dass im Oktober deutlicher Zuzug zu verzeichnen war, der im November seinen Höhepunkt erreichte. Auch im Dezember waren noch zahlreich Durchzügler anzutreffen. Je nach Vereisung der großen Standgewässer überwinterten hier im Januar/Februar bis zu 1.000 Tiere, die gegebenenfalls auch auf die Fließgewässer Saale und Weiße Elster auswichen. Ab Mitte Februar setzte bereits wieder der Heimzug ein, der meist im April abgeschlossen war, seltener erst Anfang Mai; spätestes Datum: 6.5.2016 – 30 Salzamäander (F. Hessing, ornitho.de).

Das Geschlechterverhältnis war während der Zugzeiten und bei den Winterrastbeständenfast ausgeglichen, selten bis 3:1 zu Gunsten der Männchen verschoben. Im Oktober/November wurden gelegentlich auch umgekehrte Geschlechterverhältnisse festgestellt, so am13.10.2019 – 13M. 42W. und am 17.11.2019- 39M. 49W. im Dieskauer Park (M. Schönbrodt, ornitho.de).

Erst Mitte der 1970er Jahre wurde die Reiherente im BG Brutvogel (Spretke in Gnielka1984). Die Bruten fanden meist an kleineren, verschilften Gewässern mit dichter Verlandungszone statt. Auch auf den Kiesgrubengewässern wurden Junge führende Weibchenbeobachtet. Tab. 18 listet die weitere Brutansiedlung in den 1980er Jahren auf. Die Zunahme als Brutvogel hielt auch überregional bis in die 1990er Jahre an (Gnielka & Zaum-Seil 1997). Die wichtigsten Brutgewässer des BG mit jährlich bis zu 25 BP waren der Große Mühlteich im Dieskauer Park (max. 1999 – 5BP, tiSchler 2017), die Saale-Elster-Aue bei Planena (1999 – 4 BP, H.Tauchnitz, oVh-Archiv), die Elsteraue bei Döllnitz/Osendorf(1989-2008 – 1-2 BP, tiSchler 2019a), der Salzamäander bei Langenbogen (1994 – 3-4 BP, R. Höhne, W. Wischhof, OVH-Archiv), die Grube Lochau (1994 – 2-4 BP, H. Tauchnitz, OVH-Archiv) sowie die Mötzlicher Teiche (1998 – 1 BP, D. R. Bird, OVH-Archiv).

Tischler 2017 beschreibt das Verschwinden dieser Ente als Brutvogel im Dieskauer Park bis 2015, einem der wichtigsten Brutplätze im BG, und macht dafür mehrere Faktoren verantwortlich (s. Tafelente). Diese negativen Auswirkungen waren sicher auch in den anderen Feuchtgebieten der halleschen Umgebung für den abnehmenden Trend verantwortlich, so dass heute mit jährlich noch 3-5 Brutversuchen zu rechnen ist. Die wenigen Brutnachweise ab 2001 sind in Tab. 18 aufgeführt. Bei größeren Ansammlungen zur Brutzeit, so am 28.5.2000 – 53 Blaues Auge/Saaleaue (W.Wilde), 18.6.2013 – 30 Kiesgrube Plötz (K.Hallmann) und 21.7.1995 – 21 Planena (H.Tauchnitz), alle ornitho.de, wird es sich um Übersommerer handeln. Isoliert stehen Brutzeitdaten von der Saale, am 12.5.1984 – 1M.1W. bei Rumpin und am 9.6.1984 – 1M. 1W. Entenfarm bei Dobis (W. Wischhof, Gnielka1989b).Ein wf. Hybride zwischen Reiher- und Bergente hielt sich vom 14.1.-17.2.2003 auf derSaale zwischen Brachwitz und Wettin auf(W.-D. Hoebel, J. Schmiedel, GeorGe et al.2004).

T. Spretke

Ausstellung über die Vogelwelt an den Mansfelder Seen

Am Donnerstag, den 27.11.2025 um 16 Uhr eröffnet Gernot Pohl seine Ausstellung „Faszinierende Wasserwelt“ mit einer Vernissage im Berufsförderungswerk Halle. Gezeigt werden vor allem Wasservögel aus dem Seengebiet Süßer See, Salziger See, Bindersee und Kernersee. Der Eintritt zu Vernissage und Ausstellung ist frei.

Vogel des Monats November 2025: Silberreiher

2022 erschien im APUS die „Kommentierte Artenliste der Vögel von Halle und Umgebung“ von Robert Schönbrodt und Peter Tischler (siehe auch hier unter Publikationen des Vereins).

Hier sind alle 306 Vogelarten, die bis 2020/21 in der Stadt Halle und im ehemaligen Saalkreis gesichert beobachtet wurden, einschließlich der Angaben zum aktuellen Jahresstatus aufgeführt. Für die davon bekannten 177 Brutvogelarten werden jeweils für die Zeiträume 1982-1999 und 2000-2020 Brutstatus und Bestandstrend mitgeteilt.

Wir möchten zukünftig monatlich eine Vogelart aus dieser Publikation vorstellen. Das gesamte Sonderheft des APUS mit der komentierten Artenliste kann beim OSA bestellt werden.

Auszug aus der Kommentierten Artenliste zum Silberreiher Ardea alba:

Erste Beobachtungen erfolgten am 16. und 19.6.1977 – 1 Ind. bei Döllnitz und Dieskau (Tauchnitz 1981), dann vom 15.-30.8.1981 – 1 bzw. 2 Ind. bei Dobis (W.-D. Hoebel, Gnielka 1984; Spretke 1986) und am 1.5. bzw. 10.8.1995 – je 1 Ind. nördl. Kollenbey und saaleabwärts von Halle-Trotha (Briesemeister 2001).

Bis 1995 waren Silberreiher im BG seltene Gäste, erst ab 1997 wurde die Art jährlich mit zunehmenden Nachweisen gemeldet. Über Jahre waren es nur Einzelvögel, die sich vorwiegend in den Flußauen aufhielten, z.B. am 19.3.1998 in der Elsteraue bei Döllnitz (D. R. Bird, DSK 2002). Erst ab 2007 mehrten sich die Beobachtungen kleiner Trupps. K. Liedel (AKST 2008) entdeckte einen Wintereinstand an den Mötzlicher Teichen, zwischen dem 4.11.2007 und 13.4.2008, max. am 16.12.2007 – 10 Ind. (AKST 2008).

Am Kanal westlich der Rabeninsel beobachtete E. Fuchs am 4.12.2013 -18 und vom 9.11. bis 3.12.2014 zwischen 15 und 31 Silberreiher (pers. Mitt). Auf den überschwemmten Wiesen zwischen Döllnitz und Kollenbey sowie Halle-Beesen suchten zwischen dem 13. und 31.1.2015 – 92- 100 Ind. Nahrung (S. Putzier, H. Tauchnitz, ornitho.de), die bisher größte im BG gemeldete Ansammlung. Ein Trupp von 26 Vögeln stand am 8.11.2017 im Uferbereich des großen Mötzlicher Teiches.

An einigen Teichen nahe Halle-Planena versammelten sich ab 2015 abends Schlafgesellschaften. Die Silberreiher nächtigten am Ufer im dichten Weidengestrüpp, aber auch völlig deckungslos am Ufersaum. Sie standen dabei auf dem Boden bzw. auf Zweigen dicht über dem Boden. Nur eine Beobachtung erfolgte, wo sie auf hohen Pappeln am Ufer eines Teiches schliefen (H. Tauchnitz, Tab. 30). Die Größe dieser Schlafgesellschaften entsprach etwa der Anzahl der Silberreiher im Bereich der Saale-Elster-Aue in den Jahren 2015 bis 2018. Der frühere Aufenthalt von Silberreihern begann im Spätsommer/Herbst, meist um den 20. September, und endete überwiegend Anfang April. In den letzten Jahren häuften sich Beobachtungen kleiner Trupps bis sechs Ind., die sich auch in den Monaten Mai bis August im BG aufhielten, ohne dass Brutverdacht bestand.

H. Tauchnitz

Foto: Wolfram Riech
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