Dohle (Coloeus monedula) Großmohrdorf (NVP), März 2009, J.Stemmler

Verbreitung der Dohle in
Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986
Verbreitungskarte aus: Schönbrodt & Spretke (1989):
Brutvogelatlas von Halle und Umgebung
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Angaben zur Dohle im Brutvogelatlas von Halle und Umgebung
Dohle Coloeus monedula
Die wenigen Nachweise der Dohle konzentrieren sich im Untersuchungsgebiet auf bereits langjährig
besetzte Brutplätze. Das alte Stadtzentrum von Halle beherbergt etwa 50 % (12-25 BP) des derzeitigen
Gesamtbestandes. Als Gebäudebrüter nisten die Dohlen hier an Türmen oder hohen Gebäuden und nutzen
Mauerlöcher, Simse, Dachkästen, Schornsteine, Schornsteine und ruinöse Bereiche zur zur Nestanlage.
Beispielweise gelangen Feststellungen von je 1-3 BP rund um den Markt, an den Franckeschen Stiftungen,
den Universitätskliniken, der Universitätsbibliothek, am Rat des Bezirkes Halle, am Wasserturm Nord und
an der Moritzburg. Seltener brüten Dohlen an technischen Bauten. In Halle brüten 2 Paare in der
Stahlkonstruktion der Berliner Brücke (L. Müller). Die genannten Brutplätze sind oft sehr unstet
besetzt. Eine positive Bestandsentwicklung ist nicht erkennbar. Von den Türmen unserer Stadt verschwand
die Dohle gegen Ende des vorigen Jahrhunderts fast vollständig. Aus der ersten Hälfte unseres
Jahrhunderts liegen keine Bruthinweise mehr vor; erst ab 1956 stellte sich wieder ein Paar an der
Moritzkirche ein, und bis 1963 hatte sich in der Altstadt die kleine Population auf etwa 12 BP
vergrößert (Gnielka 1983). Der Bestand hat sich bis heute so gehalten. Die Nahrung scheint der
begrenzende Faktor für eine größere Brutpaarzahl zu sein; eventuell soll die Nistplatzkonkurrenz der
allgegenwärtigen Stadttauben auch mit dafür verantwortlich sein.
Stetige Brutplätze des Saalkreises, allerdings auch nur mit jeweils wenigen Brutpaaren, sind in
Salzmünde (3 bis 5 BP am hohen Silogebäude), in Rothenburg (3 bis 5 BP) und in Wettin bekannt. Die 8
bis 10 BP in Wettin verteilen sich je zur Hälfte auf Baumbrüter in der Saatkrähenkolonie auf dem
Saalwerder und auf Gebäudebrüter an der Burg Wettin. Fast erloschen scheint das Vorkommen in und um
Lobejün. Im Steinbruch bei Lobejün nisteten 1978 noch 3 BP (Grimm). Im Kartierungszeitraum konnte die
Dohle dort wie auch in zahlreichen weiteren Steinbrüchen des Untersuchungsgebietes nicht mehr gefunden
werden. Lediglich in Lobejün brüten wahrscheinlich noch 1-3 BP in hohen alten Bauwerken. In anderen
Gegenden der DDR brüten Dohlen z. T. in Baumhöhlen, in Schornsteinen oder selten auch in Erdlöchern.
In Halle und Umgebung wurden solche Brutplätze noch nicht gefunden. Die Bestandssituation der Dohle ist
vielerorts rückläufig, deshalb genießt sie in der DDR gesetzlichen Schutz. In die regionale Liste mußte
sie als stark bedrohte Brutvogelart eingestuft werden. Ihre Brutplätze in alten Gemäuern, auf Böden
oder an Türmen sollten bei Bauarbeiten beachtet, geschont und die Erhaltung ermöglicht werden.
Angaben zur Dohle in der Avifauna von Halle und Umgebung
Dohle Coloeus monedula, Jahresvogel
Halle: 5-20 BP
Saalkreis: 5-15 BP
Im vorigen Jahrhundert nistete die Dohle in den Türmen der Stadt ziemlich häufig (Rey 1871a). Seit etwa 1875 hat sie stark abgenommen (Wenzel 1895). "Ältere Leute haben mir berichtet, daß die Dohle vor 50 Jahren an den Türmen in Halle und in der Stadt sehr häufig gewesen sei;... 1885 war sie so gut wie verschwunden" schrieb Wenzel 1913. 1885 beobachtete sie aber noch Robitzsch (1887) an der Moritzburg. Hier sah sie später Taschenberg (1909) noch alljährlich, ebenso auf den Dächern der Strafanstalt. Einige Pärchen hatten sich damals auch auf der Stephanuskirche angesiedelt. Mitte der 1890er Jahre zeigte sich noch einmal ein einzelnes Paar am Roten Turm, blieb aber in späteren Jahren noch wieder fort. 1913 fehlte sie auf allen halleschen Türmen Wenzel (1913). Schniggenfittig hebt in seinen Notizen hervor, daß die Dohle während seiner Beobachtungszeit (seit 1919) nicht in Halle brütete, ebenso Keller (in Borchert, 1927). 1956 stellte sich nach langem Fehlen ein Brutpaar ein, und zwar an der Moritzkirche, wo die Art dann bis 1965 brütete. Am Roten Turm nisteten ab 1957 etwa 4 Paare. Bis 1963 hatte sich die kleine Population in der Anstalt auf ca. 12 Paare vergrößert, ein Bestand, der sich bis 1978 kaum veränderte. Hinweise auf Brut gab es von der Marktkirche, der Universität (1961-1964, 1974), einer Ruinenwand in der großen Steinstraße (1960-1966), der Moritzburg (1959, 1960), den Kliniken (1973), dem Wasserturm Nord (1976-1978) und anderen Gebäuden in Nähe des Stadtkerns. Futterflüge in Gruppen bis zu 6 Vögeln dehnen sich bis in die Saaleaue aus. Mehrere Meldungen überführen die Dohle des systematischen Raubs von Eiern und kleinen Jungvögeln der verwilderten Haustauben. Am Domplatz räumten sie 1969 auch ein Nest mit jungen Amseln aus (Uhlenhaut). Im Juli sind die Brutplätze verlassen. Ab september (frühestens am 29.8.) zeigen sich wieder Dohlen an den Gebäuden. Im Oktober zeichnet sich eine Periode der Herbstbalz ab. Den ganzen Winter über sind einige Dohlen an den Nistplätzen gesehen worden. Nestbau: 26.3. bis 22.4.; von Rey (1871a) gesammelte Gelege sind vom 16.4. bis 12.5. datiert.
Im Saalkreis nistete die Dohle früher in großer Zahl in den Ruinen der Petersbergkirche (Wenzel 1913), deren Restaurierung (1853-1857) den Vögeln die Nistplätze nahm. Es soll dann eine starke Kolonie im Laubwald am Fuße des Petersberges bestanden haben (Müller 1880b). Hesse nahm hier Baumbrütern ein Gelege am 9.5.1901 (Kummer i. Dr.).
Auch die Löcher und Spalten des Burgturms zu Krosigk beherbergten viele Paare bis in die 1880er Jahre, als der Turm teilweise abgetragen und mit einem Dach versehen wurde (Neubaur 1908). Danach gab es im Saalkreis vielleicht nur noch in Wettin Dohlen, wo Wenzel (1928/30) am 23.5.1911 wenige in der Saatkrähenkolonie antraf. Auch in den letzten Jahren (1967/77) zeigten sich hier regelmäßig wenige Paare, von denen einzelne anscheinend an der Burg brüteten (Hoebel, Schmiedel). Daß in Saatkrähenkolonien unseres Gebietes fast immer auch Dohlen nisten, beschrieb schon Rey (1871a), und 1893 fand Wenzel (1895) in der damals noch existierenden großen Kolonie auf der Rabeninsel in Halle. 1955 und 1975 gab es Anzeichen für einzelne Bruten in der kleinen Saatkrähernkolonie in den Kiefern gegenüber von Kloschwitz. Ob ein Paar, das sich am 20.5.1976 an der Kirche Gimritz aufhielt, seßhaft war, ist nicht bekannt (Hoebel, Schmiedel). An der Kirche in Löbejün brüteten 1978 viel Paare, in einem Steinbruch in der Nähe von Löbejün drei Paare (Grimm).
In jedem Winter überdauern etwa 3000 Dohlen in unserem Gebiet, die mit den Scharen östlich beheimateter Saatkrähen ab Mitte Oktober zu uns kommen und Mitte März wieder abziehen. In genau durchgemusterten Mischgesellschaften waren 9028 Dohlen mit 53326 Saatkrähen vereint; der Dohlenanteilbetrug also 14,5 % (Gn.). Die Wintergäste nähren sich hauptsächlich auf Feldern, auch auf Müllplätzen. Es ist aber eigenartig, daß unter den vielen Saatkrähen, die recht dreist in Gärten und auf Grünflächen im Stadtgebiet Nahrung suchen, ganz selten einmal Dohlen zu sehen sind.
Von der weißhalsigen Unterart C.m.soemmeringii glückten 2 Beobachtungen unter günstigen Sichtbedingungen: 26.2.1956 - 1 aus nähster Nähe, Halle-Kröllwitz (Herrn); 25.11.1979 - 5 unter 20 Dohlen mit 120 Saatkrähen bei Mötzlich (Liedel). Unter vielen Dohlen, die in der Fundkartei des Zoologischen Instituts vermerkt sind, ist keine Halsbanddohle.
Quelle: GNIELKA (1983): Avifauna von Halle und Umgebung.Teil 1. Singvögel, Ziegenmelker, Segler, Rackenartige, Spechte.Natur und Umwelt.Halle.1983.
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