|
Am Rande des ehemaligen Tagebaus Lochau ist in unmittelbarer Nähe zur inzwischen geschlossenen Großdeponie Lochau im Kippengelände der Bergbaufolgelandschaft ein Refugium aus stark gegliederten Schilf- und Wasserflächen entstanden. Im Südwesten grenzen inzwischen hochgewachsene Pappelforste auf Abraumkippen an. Während der Sukzession entstand auf den Rohbodenflächen ein klein strukturiertes Nebeneinander unterschiedlich feuchter Habitate.
Das Gebiet wurde mit Verordnung vom 10.03.2003 (Verlängerung vom 20.03.2006) mit einer Fläche von 101 ha als Naturschutzgebiet einstweilig gesichert. Schutzziel ist der Erhalt eines der wertvollsten, arten- und strukturreichen Feuchtgebiete im südlichen Sachsen-Anhalt.
Hier ist ein Kartenausschnitt des Feuchtgebietes im Tagebau Lochau dargestellt.
Bitte aktivieren Sie bei Ihrem Browser JavaScript um die Karte anzuzeigen.
Vogelwelt
Haubentaucher, Rothalstaucher (Podiceps cristatus, P. grisegena) und Zwergtaucher
(Tachybaptus ruficollis) besiedeln die größeren Wasserflächen.
An Entenvögeln haben sich hier in den letzten Jahren Graugänse
(Anser anser) angesiedelt und bilden inzwischen eine kopfstarke Population. Reiherenten
(Aythya fuligula) und Tafelenten (Aythya ferina) brüten und übersommern regelmäßig. Nicht alljährlich
unternehmen weitere Entenarten wie Knäkente (Anas querquedula) oder Löffelente
(Anas clypeata) Brutversuche.
Die Rohrdommel (Botaurus stellaris) ist regelmäßiger Brutvogel und auch von der
Zwergdommel (Ixobrychus minutus) liegen aus manchen Jahren Bruthinweise vor. Seit 2008 brüten im Schilf Graureiher (Ardea cinerea) in einer kleinen Kolonie (2009 - 3 Paare).
Mit bis zu 6 Paaren ist der Brutbestand der Rohrweihe (Circus
aeruginosus) im ca. 100 ha großen NSG recht hoch.
Neben Blässrallen (Fulica atra), Teichrallen (Gallinula
chloropus) und Wasserrallen (Rallus aquaticus) wurden
in den Röhrichtbeständen Tüpfelrallen (Porzana porzana) und gelegentlich auch die
Kleinralle (Porzana parva) zur Brutzeit nachgewiesen.
Typische Kleinvögel der Röhrichte und Verlandungszonen sind Teich- und Sumpfrohrsänger
(Acrocephalus scirpaceus, A. palustris), Schilfrohrsänger und Drosselrohrsänger
(A. schoenobaenus, A. aurundinaceus), Rohrschwirl (Locustella
luscinoides) und Feldschwirl (L. naevia). Der Brutbestand der Bartmeise
(Panurus biarmicus) wird für 2007 auf mindestens 20 Paare geschätzt. Die Nachsuche nach
Brutvorkommen des sich ausbreitenden Blaukehlchens (Luscinia svecica) brachte im
Mai 2007 den Verdacht auf ein Revier. Im Mai 2009 konnten bereits 4 singende ♂♂ nachgewiesen werden. Die Beutelmeise (Remiz pendulinus) brütet in den am Schilfrand aufgewachsenen Birken und Pappeln.
Nach Osten grenzen mehr oder
weniger trockene, teils mit Rosen, Weißdorn und Robinien und Pappeln stark
bewachsene Hänge auf Rohböden an das Feuchtgebiet. Eine Feldhecke trennt das
Gebiet von der sich anschließenden großschlägigen Ackerfläche ab. Hier sind
Grauammer (Emberiza calandra),
Neuntöter (Lanius collurio) und Sperbergrasmücke (Sylvia
nisoria) zu beobachten.
Die Pappel- und Robinienhaine
haben inzwischen ein Alter erreicht, wo sie für Greifvögel und Spechte
interessant werden. Neben Rotmilan, Schwarzmilan (Milvus
milvus, M. migrans) und
Mäusebussard (Buteo buteo) brüten hier auch Baumfalke (Falco
subbuteo) und Waldohreule (Asio otus).
In einem Lärchenbestand hat sich der Sperber (Accipiter nisus) erfolgreich angesiedelt.
Die Fläche wird im Rahmen des
Monitorings
Greifvögel und Eulen untersucht. An den Rändern der Pappelbestände
brüten mehrere Raubwürgerpaare (Lanius excubitor). Auch
Schwarzspecht (Dryocopus martius), Grünspecht (Picus
viridis), Wendehals (Jynx torquilla) und Kuckuck (Cuculus
canorus) sind regelmäßige Brutvögel.
Außerhalb der Brutzeit sind die
Schilfbestände als Mauser- und Rastgebiet für schilfbewohnende Arten wie
Rallen, Rohrsänger und Bartmeise bedeutsam.
Tobias Stenzel
zum Anfang
|