Südteil des Kanal, Obere Aue, April 2005, T.Stenzel
Hochwasser an der Wilden Saale, März 2006, T. Stenzel
Überschwemmungsfläche in der Oberen Aue, April 2006, T. Stenzel
Herbstfärbung am Saaleufer, Pferderennbahn Oktober 2005, T. Stenzel
farbenprächtiger Frühjahrsaspekt im Auwald mit Hohlem Lerchensporn (Corydalis cava) und Gelbem Windröschen (Anemone ranunculoides), April 2006, T. Stenzel
Der Bärlauch (Allium ursinum) ist lokal im Auwald der Rabeninsel bestandsbildend, Juni 2008, T. Stenzel
Der Grauspecht (Picus canus), hier ♀ in Pappel an der Wilden Saale, ist mit bis zu 2 Revieren regelmäßiger Brutvogel auf der Rabeninsel und am Kanal, März 2005, T. Stenzel
Kampf um die besten Plätze zum Fischen: Graureiher (Ardea cinerea) am Wehr an der Südspitze der Rabeninsel, Mai 2007, T. Stenzel
Im Frühjahr 2008 bildete sich auf der Insel eine Kolonie (80 besetzte Horste).
Kormorane (Phalacrocorax carbo) als Wintergäste am Schlafplatz in Hybridpappelreihe an der Wilden Saale am Südwestufer der Rabeninsel, Januar 2006, T. Stenzel
Hier nächtigen im Winter bis zu 300 Kormorane, die im Stadtgebiet und darüber hinaus Nahrung suchen.
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Das Naturschutzgebiet ist ein
Teil der Saaleaue zwischen Halle und Halle-Neustadt und wird als
Erholungsraum für Spaziergänger, Sportler, Angler und im Sommer Badegäste
stark frequentiert. Kernstück ist der älteste Auwaldbestand im Stadtgebiet
auf der Rabeninsel mit über 260 Jahre alten Steileichen. Im Süden und Westen
der Insel befinden sich geophytenreiche Bestände mit einem ausgeprägten
Frühjahrsaspekt (u. a. Hohler Lerchensporn (Corydalis cava),
Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Waldgoldstern
(Gagea lutea), Bärlauch (Allium ursinum), Gefleckter
Aronstab (Arum maculatum)). Das westliche Ufer der Rabeninsel bildet die Wilde Saale,
einer der letzten natürlich verlaufenden Saalearme im Stadtgebiet mit
ausgeprägten Steilufern. Im Zuge des Neubaus einer Brücke zwischen der
Rabeninsel und der Stadt wurde das Wegenetz auf der Insel mit Ausnahme des 3,2 km
langen Uferrundweges (Schlenkerweg) und eines Querweges still gelegt. Während der Rundweg
stark durch Besucher frequentiert wird, bleibt das Innere der Insel von
Störungen weitgehend verschont.
Seit etwa 1890 wurde die Rabeninsel traditionelles Ausflugsgebiet der
Hallenser. Zeitweise wurden im Nordosten der Insel bis zu 3 Gaststätten zur
Versorgung der Ausflügler betrieben. Die Verbindungsbrücke zu den
Pulverweiden wurde im Winter 1932/33 errichtet. Bis zum Bau der neuen Brücke
zwischen Böllberg und der Insel bestand über 100 Jahre eine Fährverbindung
zur Rabeninsel.
Die nördlich der Rabeninsel anschließenden feuchten Sukzessionsflächen der Unteren Aue (Pulverweiden) werden
von Brennesselfluren, Schilfflächen, Rohrglanzgrasröhrichten und
Weidengebüschen geprägt. Der nördliche Teil wird regelmäßig gemäht. Ganz im
Norden liegt das eingezäunte Gelände der halleschen Pferderennbahn sowie auf
der östlichen Saaleseite der Pulverweidenpark.
Westlich der Rabeninsel verläuft der nördlichste Abschnitt des nicht fertig
gestellten Elster-Saale-Kanals zwischen Halle und Leipzig. Der Kanal ist
Angel- und Badegewässer sowie Trainingsstrecke für das hallesche
Rudersportzentrum. Die sich anschließenden Baggerseen sind beim Bau von
Halle-Neustadt entstanden und werden intensiv als Angel- und Badegewässer
genutzt.
Die Obere Aue südwestlich der Rabeninsel ist durch Grünlandbereiche,
Pappelreihen, kleinere Gehölze sowie eine kleine Gartenanlage geprägt. Der
Damm der Kasseler Bahn schließt das Gebiet nach Süden ab.
Da sich östlich der Saale zur
Stadt hin eine Geländestufe anschließt, ist der Fluss in diesem Bereich
nicht eingedeicht. Dies führt bei Hochwasserereignissen regelmäßig zu
großflächigen Überschwemmungen der Auenflächen (Rabeninsel, Untere und Obere
Aue, Rennbahn).
Das Naturschutzgebiet (östlich des Kanals) wurde mit Verordnung vom 22.05.1996
mit einer Fläche von 91 ha unter Schutz gestellt. Schutzziel ist Schutz und Erhalt
wertvoller Auenwälder, die Sicherung des natürlichen Laufes der Wilden Saale
und der Überschwemmungsflächen sowie der Schutz der artenreichen Tierwelt.
Hier ist ein Kartenausschnitt der Saaleaue zwischen Halle und Halle-Neustadt dargestellt.
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Vogelwelt
Die Rabeninsel beherbergt mit jeweils bis zu 5 Paaren des Rot- und Schwarzmilans
(Milvus milvus, M. migrans) sowie Mäusebussard (Buteo buteo) und regelmäßig auch Habicht
(Accipiter gentilis) und Wespenbussard (Pernis apivorus) eine sehr hohe Geifvogeldichte,
wobei insbesondere die Milane im Wald brüten und die umliegenden Flächen zum Nahrungserwerb aufsuchen.
An Spechten brüten auf der Insel mit Schwarz-, Grün-, Grau-, Bunt-, Mittel- und Kleinspecht
(Dryocopus martius, Picus viridis, P. canus, Dendrocopos major, D. medius, Dryobates minor) regelmäßig 6 Arten.
Hohltaube (Columba oenas), Waldohreule (Asio otus) und Waldkauz (Strix aluco) sind regelmäßige Brutvögel im
Auwaldbereich. Erstmals seit vielen Jahren entstand 2008 im geschützten Auwaldbereich eine Graureiherkolonie (Ardea cinerea).
Die Altvögel sind regelmäßig an der Wilden Saale zu beobachten.
Typische Singvögel der Insel sind Amsel und Singdrossel (Turdus
merula, T. philomelos), Nachtigall (Luscinia magarhynchos), Garten-, Klapper- und Mönchsgrasmücke
(Sylvia borin, S. curruca, S. atricapilla), Zilpzalp (Phylloscopus
collybita), Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca),
Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), Sumpf- und Weidenmeise
(Parus palustris, P. montanus), Kleiber (Sitta europaea),
Garten- und Waldbaumläufer (Certhia brachydactyla, C. familaris), Star
(Sturnus vulgaris) sowie Buchfink (Fringilla coelebs) und Girlitz
(Serinus serinus).
1960-62 brütete hier ein Halsbandschnäpper(Ficedula albicollis) zusammen mit einem Trauerschnäpper in
einem Nistkasten. Der Kolkrabe (Corvus corax) ist im Auwald seit Jahren Brutvogel.
An der Wilden Saale brütet regelmäßig der Eisvogel (Alcedo atthis) in den
Steilwänden, in manchen Jahren auch Uferschwalben (Riparia piparia).
In den Sukzessionsflächen der Unteren und Oberen Aue sind Feldschwirl (Locustella
naevia), Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) und Rohrammer
(Emberiza schoniclus) Charaktervögel. Der Schlagschwirl (Locustella fluvialilis) ist in den
letzten Jahren in mehreren Revieren ansässig.
Im Mai rufen auf den Wiesen hin und wieder Wachtelkönige (Crex
crex). Neben den regelmäßigen Brutvögeln Blässralle, Wasserralle und Teichralle
(Fulica atra, Rallus aquaticus, Gallinula chloropus) wird in Hochwasserjahren an den Überschwemmungsflächen auch
hin und wieder die Tüpfelralle (Porzana porzana) nachgewiesen. Unter den Metallträgern
einer Rohrbrücke über die Saale befindet sich seit vielen Jahren eine
Mehlschwalbenkolonie (Delichon urbica).
Unter der neuen Brücke zwischen der Rabeninsel und Böllberg haben sich Rauchschwalben (Hirundo rustica) angesiedelt.
Der Brutbestand an Wasservögeln ist am Kanal durch die häufigen Störungen bedingt recht
gering. In Hecken und jüngeren Gehölzstreifen sind Neuntöter (Lanius
collurio) und Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) typische Brutvögel.
An den Baggerseen brüten Haubentaucher (Podiceps cristatus), Höckerschwan
(Cygnus olor), Stockente (Anas platyrhynchos), Teich- und
Blässralle bevorzugt auf zwei kleineren Inseln, die vor Störungen
weitgehend sicher sind.
Zu den Zugzeiten der Wasservögel sind Reiher- und Tafelenten (Aythya fuligula,
A. ferina) regelmäßige Gäste auf den Baggerseen. Aber auch Löffelenten, Schnatterenten, Pfeifenten,
Spießenten und Krickenten (Anas clypeata, A. strepera, A. penelope, A. acuta, A.
crecca) sind regelmäßig zu finden. Bis zu 50 Höckerschwäne
finden sich ein um auf den angrenzenden Rapsflächen zu äsen. Im Winter
wurden in Frostperioden, besonders wenn die Standgewässer zufrieren, auf der
Saale bis zu 40 Gänsesäger (Mergus merganser) sowie Zwergsäger
(Mergus albellus) und Schellenten (Bucephala clangula)
gezählt.
In einer Pappelreihe an der Wilden Saale am Südrand der Rabeninsel schlafen
im Winter seit einigen Jahren bis zu 300 Kormorane (Phalacrocorax
carbo).
Die Zeiten, wo im Winter über 20000 Saatkrähen (Corvus frugilegus)
- und Dohlen (Coloeus monedula)
auf der Rabeninsel nächtigten, sind vorbei. Aktuell sammeln sich bis zu
mehrere tausend Saatkrähen abends in der Aue um dann bei Dunkelheit auf die
Rabeninsel oder nach Halle-Neustadt zu fliegen, wo sie offenbar auf den
Flachdächern der Hochhäuser schlafen.
Tobias Stenzel
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